Seit meiner Zeit als Gymnasiastin beschäftigt mich die Frage, ob ein künstlerisch talentierter und dann auch tätiger Mensch, der nicht die Kunstakademie besucht hat, das Recht in Anspruch nehmen darf, auszustellen, seine Arbeit zu veröffentlichen, und sogar die Werke zum Verkauf anzubieten.

Schon die Entscheidung Medizin zu studieren war begleitet von einem Gefühl des Bedauerns, die Kunst für eine andere Leidenschaft, die Naturwissenschaften, aufgeben zu müssen. Die konservative Wertvorstellung damals ließ beides nicht zu. Auch die Bescheidenheit verbot mir, mich als Kunstschaffende zu exponieren. Aber ich malte, und ich formte Skulpturen, ließ sie in Italien in Bronze gießen, ich zeichnete, änderte die Formate, und konzentrierte meine Arbeit auf 3 Themen: Pferde, Berge, Afrika. Ich besuchte Vorlesungen in Kunstgeschichte, reiste zu den Museen der Welt und ging in die Lehre bei Adi Holzer, Max Gangl und Helmut Ditsch. Die Bilder waren nicht zu verstecken, und das Echo, das sie auslösten war so positiv, die Ermutigungen so überzeugend, dass die ersten Ausstellungen folgten. Der große Erfolg legitimierte diesen Schritt. Und ich war zufrieden, denn die immer wieder kehrenden Zweifel, mich als Künstlerin überhaupt präsentieren zu dürfen, konnten letztlich nur vom Publikum beantwortet werden, je kritischer, umso dankbarer war ich, je breiter dessen Spektrum, umso sicherer wurde ich. Ich erkläre meine Arbeiten nicht, ich höre umso lieber zu, wenn jemand über sie spricht, dies ist die größte Auszeichnung.

Kein Bild ist für den Markt gemalt, der Stil ist selbstverständlich, unbeabsichtigt und deshalb authentisch, die Technik so und nicht anders. Signiert und damit als fertig gewertet wird ein Bild nur, wenn ich alles von mir verlangte, alles ausschöpfte, und schlussendlich zufrieden bin. Die Arbeiten zum Thema Pferd fordern ausnahmslos die Darstellung der Bewegung, das statische Tier schenkt zeichnerisch zu wenig Herausforderung. Es genügt mir nicht, ein Abbild zu malen. Das edle, geliebte Pferd ist Transportmittel für Abstraktes, für manchen vielleicht auch eine Erinnerung an Konkretes. Dabei ist mir das Festhalten eines dynamischen Augenblicks, den das Auge im Film übersehen würde, außerordentlich wichtig: Es ist extrem reizvoll, auszuloten, ob der Bruchteil einer Sekunde durch Acryl, Tusche, Kohle oder Bleistift eingefroren auf Leinwand oder Papier, es schafft, den Betrachter zum Verweilen, Nachdenken, Erinnern, Entdecken und Erzählen zu bringen. Je länger ein Bild dazu anregt, je mehr Vielfalt an Gefühlen und Sinnlichkeiten entstehen, je mehr Geschichten es hinter der gemalten Oberfläche verraten kann, umso zufriedener darf ich mit dem Ergebnis meiner Arbeit sein. Und gelingt mir in all der Auseinandersetzung Erbauung zu schenken, bin ich mit einer der vielen Aufgaben der Kunst, einer oft belächelten, damit intellektuell degradierten, mir aber äußerst wichtigen im Reinen, nämlich einfach Freude zu bereiten.